50 Jahre Chihuahua in Österreich


Der Chihuahua ist auch bekannt als „kleinster Hund der Welt“ und erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit.

Der kleine Hund den es in Lang- und Kurzhaar gibt, hat die Herzen vieler Besitzer errungen.
Klein, intelligent, pflegeleicht und robust, der ideale Begleiter für unsere jetzige Zeit.
Er stellt keine großen Ansprüche an Platz an seinen Besitzer, allerdings lässt er sich nicht widerspruchslos
unterordnen, er versucht auch seinen Willen durchzusetzen.
Er will ein voll anerkannter Begleiter seines Menschen sein!
Geschichte:
Der Chihuahua blickt auf eine geschichtsträchtige Vergangenheit.
Im 10. Jahrhundert waren in Zentralamerika die Tolteken, Vorfahren der Azteken ansässig. Sie züchteten die
Techichi, die als Ahnen der Chihuahua gelten, und begruben sie mit ihren Toten, den kleinen Hund wurden
magische Kräfte zugesprochen.
Im Jahr 1850 legten Archäologen in Mexiko ein aztekisches Grab frei. Sie fanden eine Hundestatue, die dem
Chihuahua sehr ähnelte und seine geschichtliche Vergangenheit offenbarte.
Der Stammbaum des mexikanischen Zwerghundes schien gesichert, und erhielt den Rassenamen Chihua-hua (nach dem mexikanischen Staat).
Gegen Ende des 19. Jahrhundert hielt er Einzug in Nordamerika. Der Amerikanische Kennel Club legte zu
Beginn des 20. Jahrhunderts den Rassestandard fest.
Am 1. Oktober 1960 erfolgte die Eintragung beim Österreichischen Kynologenverband. (Der Chihuahua Club Austria gegründet 1973.)
Bis Ende 2010 wurden 4.900 Chihuahua ins Österreichische Hundezuchtbuch eingetragen.


Das Aussehen des Chihuahua


Die Rasse der Chihuahuas weist vonallen Hunderassen die kleinstenExemplare auf.
Den modernen Chihuahua gibt es in zwei Varietäten, in Kurz- und Langhaar .
Der Langhaar-Chihuahua wurde erstmals in Texas/USA gezeigt. Einkreuzung von Papillon und vermutlich Zwergspitz.
Die Behaarung des Langhaar-Chi muss schlicht sein, gut befranste Ohren und Rute sowie eine große Halskrause sind erwünscht.
Das Haar des Kurzhaar-Chi ist glatt, glänzend und am Körper anliegend. Es gibt heute die verschiedensten Farben.
Von Weiß, Semmelblond über Dunkelbraun bis zum Black and Tan und Blauschwarz, ein- oder mehrfärbig.
Alle Farben und Farb-kombinationen sind zu sehen.
Viele Besonderheiten unterscheiden diese Hunderasse von allen anderen. Die auffälligsten sind die sehr geringe Größe
und das geringe Gewicht.
Der Unterschied zu anderen Hunderassen besteht in der Fontanelle, die auch bei ausgewachsenen Chi´s bestehen bleibt, aber nicht
unbedingt vorhanden sein muß.

So war es bis 2010.
(Und nach dem neuen FCI Standard Okt. 2010 darf der Chihuahua keine Fontanelle mehr haben. Ob sich dies in Kürze ändern lässt, ist fraglich. Es wird einige Jahre brauchen. Was viele Jahrzehnte das Zeichen von einem Chihuahua war,
lässt sich nicht so leicht und so schnell ändern wie ein Kochrezept. Gerda Bolter)

Der Chihuahua ist kräftig gebaut, sein Körper ist kompakt, etwas länger als hoch mit mäßig hohen und geraden Läufen.
Vor allem beherrscht ein eleganter Apfelkopf mit betontem Stop und kurzem Fang, mit großen, ausdrucksvollen und sehr glänzenden
Augen sowie den überaus großen aufrecht stehenden Ohren, die Gesamterscheinung des Chihuahua,
die erst durch eine hoch und freudig getragene Rute und eine selbstbewußte, kraftvolle, sehr lebendig,
dennochgeschmeidige und anmutige Bewegung dieses Winzlings voll zur Geltung kommt.


Das Wesen und Erziehung des Chihuahua

Beim Chihuahua ist es nicht die Körpermasse die den Hund ausmacht. Die Faszination ist seine besondere Charakterstärke und es
sind die Wesenszüge eines Hundes, die trotz der Kleinheit dieser Rasse voll, nahezu extrem, ausgeprägt sind.
Der Chi ist entgegen allen Vorurteilen nicht empfindlicher als andere Hunderassen. Die Lebenserwartung eines Chihuahua ist im Durchschnitt sogar höher als bei großen Rassen. Der Chihuahua ist in seiner Zuneigung sehr wählerisch. Er sucht sichin „seiner“
Familie einen Menschen aus, dem er besonders anhängt. Ist diese Verbindung einmal geschlossen, läßt sie sich nur sehr
schwer wieder lösen.
Sein Instinkt treibt ihn dazu den Menschen, dem „er“ sich angeschlossen hat, mit allen Kräften zu verteidigen.
Durch Kontaktmit vielen Personen kann beim Chihuahua eine gewisse Toleranz aderen gegenüber anerzogen werden.
Der Chihuahua ist seinem Besitzer ausgesprochen treu, und zeigt seine besondere Anhänglichkeit jeden Augenblick.
Er ist sowohl ein idealer „Ein-Mann/Frau-Hund“ als auch ein fröhlicher Familienhund.

Zum Charakter dieses sehr lebhaften und temperamentvollen Hündchens wäre noch bemerken, dass der Chi trotz seiner Kleinheit
äußerst wachsam ist, ohne ein Kläffer zu sein. Der Chihuahua ist sehr intelligent und flink, sehr aufmerksam und neugierig.
Dank seines besonderen Mutes wagt er es auch, größere Hunde anzugreifen.

Der Chi ist sehr widerstandsfähig, liebt Gesellschaft und ist besondes anhänglich und liebesbedürftig. Die Amerikaner bezeichnen ihre Chi’s als „clanish“. Dies bedeutet in etwa, dass der Chi nur seinesgleichen liebt und in der Regel keine Hunde anderer Rassen.
Erwirbt man einen Chihuahua wird er sehr leicht verwöhnt, dem sollte unbedingt entgegengewirkt werden.
Will man Freude mit seinem Chihuahua haben, muß er erzogen werden. Die Erziehung sollte schon im Welpenalter beginnen.
Meist ist der Besitzer dabei mehr gefordert als der Welpe, weil dieser in seinem überschäumenden Temperament einfach nur Spaß an allem hat. Chihuahuas sind sehr reaktionsstarke, gelehrige und äußerst intelligente Hunde. Dies sollte man sich zu Nutze machen,
um seinen Winzling unter gekonnter Führung zu einem wohlerzogenen Begleiter zu machen.

Riesiger Zwerg

Riesig sind seine Kulleraugen
und seine Fledermausohren.
Riesig sind sein Selbstbewusstsein,
seine Anhänglichkeit, seine Energie.
Riesig sein Charme, mit dem er die Herzen erobert,
und riesig dieFreude, die er macht.
Alles riesig – beim kleinsten
Hund der Welt.


Der Chihuahua verschenkt sein Herz nur ein einziges Mal. Und dann für imme
r.

Umgekehrt ist es ebenso leicht, diesem Herzensbrecher zu verfallen. Das dürfen Sie ruhig, sollte aber der Versuchung
widerstehen, ihn ständig beschützen zu wollen. Insofern erfordert die Erziehung eines Chihuahuas immer wieder Mut.
Lassen Sie ihn aus Begegnungen mit großen Hunden lernen, lassen Sie ihn rennen und schnüffeln, lassen Sie ihn „seinen Hund stehen“. Konsequenz ist dabei wichtig, denn die Kulleraugen schreien geradezu nach kleinen Ausnahmen ... Damit ist niemand geholfen, denn ein gut erzogener Chihuahua ist der perfekte Begleithund im wahrsten Sinne des Wor-
tes – er kann überall mit hin. Und passt wunderbar zu Menschen ohne Haus und Garten, aber mit großem Herzen
und viel Respekt für alles, was im Chihuahua steckt. Und schließlich ist noch die Liebe wichtig:

Wenn der Chihuahua schon sein ganzes Herz verschenkt, dann will er von seinem Menschen das Gleiche.
Hinter dem großen Selbstbewusstsein steckt ein kleines Sensibelchen, und das ist durchaus gekränkt,
wenn es sich nicht genügend geliebt fühlt. Und „genügend“ bedeutet beim Chihuahua – Sie ahnen es sicher schon –sehr, sehr viel.
Eines noch: Der Chihuahua wurde ganz offensichtlich nicht für die Handtasche geboren.


Der Kynologe über den Chihuahua
(Dr. Hellmuth Wachtel, Hundeexperte, Wien)

Diese Rasse trägt auch den Namen „kleinster Hund der Welt“.
Dies wäre berechtigt, wenn man nach dem Prozentsatz der kleinsten Hunde der Rasse ginge, im Vergleich zum Yorkshire Terrier,
und wenn dieser Prozentsatz bei den Chihuahuas tatsächlich größer als bei den Yorkies wäre. Aber viele Yorkies sind auch sehr klein und laufen oft unter dem Namen „Mini-yorkies“. Jedenfalls gibt es in beiden Rassen sehr kleine Hunde, öfter auch bei den Zwergpinschern und anderen. Die Zucht extrem winziger Hunde, in den USA „Teacup Dogs“ (Teetassen-Hund) oder „Pocket Dogs“ (Taschenhunde) genannt, grenzt aber an Qualzucht, denn je kleiner, desto größer sind die Gesundheitsprobleme.
Hündinnen,mit denen gezüchtet wird, sollten nicht unter 2 kg wiegen!
Die amerikanischen Züchterorganisationen bekämpfen solche Bezeichnungen, da sie eine besondere „höherwertige“ Kategorie von Chihuahuas andeuten sollen. Aber je kleiner die Hunde, umso mehr sind sie durch Krankheiten gefördert.
Ganz allgemein jedoch haben gerade Chihuahuas eine besonders hohe Lebenserwartung.
Der Chihuahua stammt aus der gleichnamigen mexikanischen Provinz und soll von mexikanischen
Pariahunden abstammen oder von chinesischen Zwerghunden, die spanische Seefahrer nach Mexiko brachten. Nach einer anderen Behauptung lebte er in Chihuahua wild und wurde von den Indios in der Tolteca-Periode gefangen und dome-stiziert, was aber undenkbar ist. Hunde wurden damals gegessen, besonders auch von Adeligen. Die kleinen Hunde wurden damals als
Techichi genannt und vielfach abgebildet. Als der spanische Eroberer Cortes die Aztekenkultur vernichtete, sollen, nach anderer Lesart, die Chihuahuas damals verwildert sein und erst etwa um 1800 in der zivilisierten Welt auftauchen. Aber
schon Columbus spricht von kleinen mexikanischen Hunden und hat sie vielleicht nach Europa gebracht. Nach anderen Quellen wieder gelangte der Chihuahua allerdings erst am Ende des 19. Jahrhunderts nach Europa. Im 20. Jahrhundert wurden
sie auch in den USA besser bekannt und gezüchtet, und 1964 waren sie sogar die Rasse Nummer drei beim
Amerikanischen Kennel Club. Ein portugiesischer Zwerghund, der Podengo pequeno, sieht ihm auffallend ähnlich, allerdings ist das ein kleiner Jagdhund. Gegen die Herkunft aus China spricht eine DNA Analyse von Heidi G. Parker, die nach der er eigentlich europäische Ahnen haben müsste, denn seine genetische Struktur zeigt nur Hin-
weise auf europäische Rassengruppen. Auf jeden Fall wurde in den
USA viel mit ihm gekreuzt, genannt werden Pekingese, Yorkshire Terrier, Papillon und Zwergpudel. Chihuahuas können sehr mutig
sein, und einzelne wurde schon insein und einzelne wurden schon in den USA zu „gefährlichen Hunden“erklärt. Sie haben keine Vorstellung von ihrer Größe und legen sich daher nicht selten mit großen Hunden an. Ihr Wesen ist furchtlos, und sie haben einen starken Schutztrieb, sind daher ausgezeichnete Wach-hunde. Mit anderen Chihuahuas kommen sie meist sehr gut zurecht.
Infolge ihrer geringen Größe habensie den Vorteil, dass sie sich auch in einer Wohnung ausreichend Bewegung verschaffen können, lieben aber dennoch Spaziergänge, die ja wegen ihrer Größe normalerweise immer im Trab erfolgen, der typischen Gangart des Hundes auf längere Distanzen. In der Wohnung kann man Spaziergänge durch Spielzeug und Spielen zusätzlich ergänzen.
Der Chihuahua ist eine kleine Besonderheit unter den Hunderassen, die zwar viel Aufmerksamkeit verlangt, aber auch mit den beschränktesten Verhältnissen auskommt. Seine Gesundheit kann aber durch Übertreibung des Zuchtziels auf minimale Größe gefährdet werden.
(gekürzt, WUFF 6/08)